Einzigartig: ehemaliges Wohnhaus des Rechenmeisters. Drei der zwischen 1518 und 1550 in Druck gegangenen Rechenbücher von Adam Ries, seine „Brotordnung“ sowie „Adam Riesens Coß“, eine der bedeutendsten Algebra-Handschriften des 16. Jahrhunderts, als Originalausgaben.

„… Das macht nach Adam Ries(e) …“ – ein im gesamten deutschsprachigen Raum gebräuchliches geflügeltes Wort – steht noch heute für eine richtige Lösung.

Wer ist eigentlich dieser „Rechenriese“, der von 1492 bis 1559 lebte?
Weshalb überdauert sein Name ein halbes Jahrtausend?

Antworten findet man im ehemaligen Wohnhaus des Rechenmeisters und sächsischen Bergbeamten im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz. Mit dem 2008 neu gestalteten Museum entstand hier eine wahre Schatzkammer der Rechenkunst.

Empfangen mit Musik aus den Annaberger Chorbüchern des 16. Jahrhunderts taucht der Besucher ein in den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, in das Zeitalter der Renaissance – der Entstehung eines neuen Weltbildes.
Der Bedeutungsgewinn des Rechnens um 1500 wird (be)greifbar: Handwerk, Handel, Gewerbe und insbesondere die wachsende Rolle des Geldes verlangten immer bessere Rechenkenntnisse. Rechenmeister waren gefragt, nicht nur als Betreiber von Rechenschulen, vielmehr als Stützen von Wirtschaft und Staat: So bekam auch Adam Ries dank seiner Rechenkünste wichtige Ämter in landesherrlichen Verwaltungen sowie im Bergbau überantwortet.
Umrechnen hieß damals eines der wohl häufigsten und beschwerlichsten Geschäfte: Unzählige Maße und Gewichte, die von Gemeinde zu Gemeinde differierten, führten zu so manchem Kuriosum. Besucher können dies im Museum „am eigenen Leib“ nachvollziehen, indem sie sich mit den Maßen verschiedener Städte messen und so anscheinend wachsen oder schrumpfen.

Wie klein oder groß die zu backenden Brötchen sein sollten? Auch hierfür benötigte man einen Rechenmeister, besser noch die Brotordnungen von Adam Ries. Denn im 16. Jahrhundert war es üblich, bei Schwankungen des Getreidepreises nicht die Preise für Brot und Brötchen zu verändern, sondern deren Gewicht.

Weltweit einmalig sind die drei zwischen 1518 und 1550 in Druck gegangenen Rechenbücher von Adam Ries, seine „Brotordnung“ sowie ein lange verborgenes Juwel, „Adam Riesens Coß“, eine der bedeutendsten Algebra-Handschriften des 16. Jahrhunderts, als Originalausgaben zu bewundern. Auch Meisterwerke weiterer geistiger Größen der damaligen Zeit gibt es zu entdecken.

Nach dem Museumsrundgang können kleine und große Gäste in der Annaberger Rechenschule das „Rechnen auf den Linien“ wie zu Adam Ries´ Zeiten erlernen, auf dass ein jeder – nach Adam Ries – „die Rechenkunst mit Lust und Fröhlichkeit begreifen möge“.

Annegret Münch und Anne Rom

Johannisgasse 23 • 09456 Annaberg-Buchholz
Tel. 03733-22186
Öffnungszeiten: Di-So 10-16 Uhr
Internet: www.adam-ries-museum.de


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