Einzigartig: der größte nördlich der Alpen entdeckte Eisenhortfund. Er zeugt vom Alamanneneinfall 260 n. Chr. und ist – nebst zahlreichen weiteren Fundstücken aus Kastell und Lagerdorf – im Museum zu bewundern.

Künzing gilt als ältester Ort im Landkreis Deggendorf. Das Museum Quintana veranschaulicht Entdeckungen und Funde der nunmehr 125 Jahre währenden Forschungen in Künzing in einer modernen Präsentation mit lebendigen Inszenierungen und vielen Modellen. Der Museumsrundgang bietet eine Zeitreise durch 7000 Jahre ununterbrochener Besiedelungsgeschichte. Anschaulich und kurzweilig entsteht an Hand der Fundstücke das Leben in der Vergangenheit vor den Augen des Besuchers.

Als attraktiven Siedlungsplatz haben Menschen den Ort schon vor 7000 Jahren entdeckt: In einer ersten Siedlung beginnt hier die bäuerliche Landwirtschaft im Donautal. Neben dem kleinen Dorf wurde als zentraler Kult- oder Kalenderbau eine gewaltige Kreisgrabenanlage errichtet. Sie zählt zu den bedeutendsten Bodendenkmälern Süddeutschlands. Das für seine Zeit, die erste Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr., monumentale Bauwerk stellt ein Denkmal von europäischem Rang dar. Seine Entstehung liegt weit vor dem berühmten Steinkreis von Stonehenge!

In einem großflächigen Modell werden die erstaunlichen Dimensionen dieses Großprojekts der Steinzeit deutlich. Die Anlage hatte einen Außendurchmesser von 110 Metern. Für den Bau sämtlicher Gräben mussten insgesamt 12.000 m3 Erde ausgehoben werden. Die Palisaden im Innenraum der Kreisgrabenanlage und die Torbauten an den Zugängen erforderten 2100 Balken bzw. Rundhölzer von 5,5 m Länge. Vier Eingänge, die um 30o im Uhrzeigersinn gegen die Haupthimmeslrichtungen gedreht sind, führten über Erdbrücken in den runden Innenraum.Das zu 80% aus den Spitzgräben stammende, ungewöhnlich reiche Fundmaterial ist in einer repräsentativen Auswahl in der Abteilung ausgestellt und vermittelt einen umfassenden Eindruck jungsteinzeitlicher Geräte und Techniken.

Die Frage nach der Funktion der Kreisgrabenanlagen ist noch nicht abschließend geklärt. Es kann sich um einen profanen oder religiösen Versammlungsplatz gehandelt haben, wobei gerne auf die Möglichkeit verwiesen wird, Himmelsbeobachtungen vorzunehmen. Das Modell der Anlage im Museum Quintana stellt die Interpretation als Kalenderbau in den Vordergrund: Eine Peilung durch das nordwestliche und das südöstliche Tor der Kreisgrabenanlage soll den Punkt am Horizont erfassen, an dem die Sonne bei ihrem Aufgang am 21. Dezember, der Wintersonnenwende, erscheint.

Bekannter als die vorgeschichtlichen Denkmäler ist die römische Geschichte des Ortes Künzing, dessen heutiger Ortsname auf das vor 2000 Jahren an dieser Stelle erbaute römische Kastell Quintanis zurückgeht. Es war Teil des sogenannten „nassen Limes“, der römischen Grenzsicherung entlang der Donau, die den gebauten Grenzwall „Limes“ nach Osten fortsetzte. Das in den 1960er Jahren ausgegrabene Hilfstruppenkastell galt lange Zeit als der am besten erforschte römische Kastell nördlich der Alpen.Um 90 n. Chr. baute die erste Truppe, eine vom Schwarzen Meer nach Niederbayern versetzte Kohorte mit 360 Fußsoldaten und 120 Reitern, das Kastell auf. Es wurde in den etwa 170 Jahren seines Bestehens dreimal erneuert, ohne dass sich seine Grundfläche veränderte.

Auffälligste Veränderung ist um 150 n.Chr. das Ersetzen der Holz-Erde-Umwehrung durch eine Steinmauer und die Außensicherung mit fünf vorgelagerten Gräben.260 n. Chr. wurde die Anlage durch einfallende Alemannen vollkommen zerstört. Von diesem einschneidenden Ereignis zeugt der größte nördlich der Alpen entdeckte Eisenhortfund, aber auch der berühmte Künzinger Römerschatz. Beides ist im Museum neben zahlreichen weiteren Fundstücken aus Kastell und Lagerdorf zu bewundern.

Berühmt wurde Künzing in jüngster Zeit durch die sensationellen Funde aus dem zivilen Lagerdorf: 1998 wurde dort ein Heiligtum des orientalischen Gottes Mithras ausgegraben. Den Raumeindruck dieses Mithräums macht ein kleiner Einbau in der Römerabteilung erlebbar, in dem auch die bedeutenden Funde ausgestellt sind. 2003 schließlich machte Künzing mit der Entdeckung eines hölzernen Amphitheaters Schlagzeilen. Dieser Bau, in dem bis zu 600 Zuschauer Platz fanden, ist ein wichtiger Puzzlestein für unser Bild römischen Alltagslebens an einem kleinen Truppenstandort in der nördlichen Provinz. Ist es vorstellbar, dass auch hier Gladiatorenkämpfe stattfanden wie in der Hauptstadt Rom? Tatsächlich scheint dieser Bau einen wichtigen Faktor in der Truppenbetreuung und im Bemühen um die Verbreitung der römischen Kultur in der Provinz darzustellen.

Einen Neuaufbau des Kastells im ausgehenden 3. Jahrhundert nach seiner Zerstörung durch die Alemannen belegt die berühmte „Lebensbeschreibung des Heiligen Severin“, die vom Besuch des Heiligen im Künzing des 5. Jahrhunderts berichtet. Reste dieses spätantiken Baus konnten jedoch bis heute nicht gefunden werden. Kostbare Funde aus spätantiken Gräbern belegen aber, dass Künzing auch in der Spätantike noch römisches Herrschaftsgebiet war.

Funde aus einem bajuwarischen Gräberfeld des 6. – 8. Jahrhunderts belegen schließlich nach dem Ende des römischen Reiches den Beginn einer bajuwarischen Besiedlung.

Osterhofener Straße 2 • 94550 Künzing
Tel. 08549-973112
Öffnungszeiten: Mai bis September: Di-So 10-17 Uhr – Übrige Zeit: Di-So 10-16 Uhr
Internet: www.museum-quintana.de


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