Einzigartig: Bau- und Nutzungsgeschichte. Politik, Kultur und Lebensweise der Renaissance. Profanmalerei 13. Jh., zeitgenössische Kunst.

Schmalkalden liegt an keiner Verkehrsmagistrale. Wer in diese Stadt will, muss es wollen, und er braucht Zeit. Zeit, um herauszufinden, Zeit, um zu bleiben. Reiseanlässe gibt es viele: Vielleicht sind es Erinnerungen an einige Kapitel deutscher Geschichte aus Lehrbüchern, die zur Wiederentdeckung der Stadt führen. Schmalkaldischer Bund, Schmalkaldischer Krieg, Schmalkaldische Artikel. Oder will man Zeugnisse der Erzgewinnung und -verarbeitung längst vergangener Tage erkunden? Sicher aber ist, dass niemand die Stadt wieder verläßt, ohne das Schloss Wilhelmsburg besucht zu haben, das vom Abhang des Berges Queste majestätisch auf Schmalkalden herabblickt.

An der Kunst des Mittelalters interessierte Gäste fragen nach den aus der Zeit um 1225 stammenden Iwein-Fresken, die zu den ältesten Zeugnissen deutscher Profanmalereien zählen. Zu finden sind sie im Keller des Hessenhofes, der Sitz der landgräflich-thüringischen und seit 1360 der hessischen Beamten gewesen ist. Seit 1996 sind die Fresken nach dem Versepos des Hartmann von Aue in einer originalgetreuen Kopie in einem Keller des Schlosses zu besichtigen.

Schmalkalden, erstmals 874 erwähnt, ist eine der ältesten Ansiedlungen in  Thüringen. Mitte des 13. Jh. kam die Herrschaft Schmalkalden infolge des thüringischen Erbfolgekrieges an die Grafen von Henneberg. 1360 kauft Hessen die Herrschaft zur Hälfte. Seither sprach man in Schmalkalden von einer  Doppelherrschaft, die erst mit dem Aussterben des hennebergischen Grafengeschlechts 1583 ein Ende fand. Schmalkalden gelangte nun ganz in den Besitz des hessischen Landgrafen Wilhelm IV., der zur Manifestation seines  Herrschaftsanspruches die Wilhelmsburg erbauen ließ.

Weltgeschichtliche Bedeutung erlangte die Stadt zur Zeit der Reformation. Da Kaiser Karl V. der reformatorischen Bewegung Gewalt androhte, schlossen sich die evangelischen Fürsten und freien Reichsstädte ab 1530 zur Wahrung ihrer Interessen in Schmalkalden zu einem Bund, dem “Schmalkaldischen Bund”, zusammen. Dieser tagte insgesamt achtmal in Schmalkalden, bis heute sind die wichtigsten Tagungsstätten noch zu lokalisieren: das Rathaus, die Burg Waltaff (der Vorgängerbau des Schlosses Wilhelmsburg), der ehemalige “Gasthof zur Krone”, der Hessenhof oder das Lutherhaus.

Während der bedeutendsten Bundestagung von 1537 wurde die von Luther verfasste Bekenntnisschrift der Protestanten (“Schmalkaldische Artikel”) den teilnehmenden Theologen vorgelegt. Die fortdauernde Auseinandersetzung zwischen dem Bund und dem Kaiser führte letztlich 1546/47 zum Schmalkaldischen Krieg, der mit einer Niederlage und der Auflösung des Bundes endete. Dass Schmalkalden als “Ort der üblen Ketzerei” nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde, ist der Fürbitte des letzten Hennbergers Georg Ernst zu danken.

Der Dreißigjährige Krieg, der Siebenjährige Krieg und auch die französische Fremdherrschaft 1806 – 1813 haben in Schmalkalden Spuren hinterlassen und den einstigen Wohlstand fast vernichtet. Im Jahre 1866 kam Schmalkalden zu Preußen und verblieb bis 1944 in der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Die fast sechs Jahrhunderte andauernde hessische Herrschaft haben die Stadt dauerhaft geprägt. Vor allem ist es das hessische Landgrafenwappen, das an mehreren Häusern, auch an und im Schloss Wilhelmsburg, zu finden ist. Heute ist Schmalkalden wieder eine Stadt in Thüringen und das Schloss Wilhelmsburg Sitz eines überregional bedeutenden Museums.

Schloßberg 9 • 98574 Schmalkalden
Tel. 03683-403186
Öffnungszeiten: April bis Oktober: tägl. 10-18 Uhr
November bis März: Di-So 10-16 Uhr
Internet: www.schmalkalden.com


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